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Дневник

Първият и вторият сън: забравеният ритъм на нощта

Der erste und der zweite Schlaf: der vergessene Rhythmus der Nacht

Heute nehmen wir an, dass „guter Schlaf“ ein einziges ununterbrochenes Schlafen bedeutet — man legt sich abends hin, wacht morgens auf, und dazwischen ist nichts. Wachen wir mitten in der Nacht auf, empfinden wir es oft als Problem — ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt: Stress, Schlaflosigkeit, schlechter Rhythmus, Müdigkeit.
Doch über Jahrhunderte sah die Nacht nicht so aus.
Vor dem Industriezeitalter, vor dem elektrischen Licht und bevor die Uhr den Tag mit solcher Genauigkeit zu lenken begann, schliefen viele Menschen nicht in einem langen, ununterbrochenen Block. Sie schliefen in zwei Etappen.
Der erste Schlaf — in lateinischen Quellen als primo somno bezeugt — begann nach Sonnenuntergang oder kurz nach Einbruch der Nacht. Nach einigen Stunden wachte man auf natürliche Weise auf. Es folgte eine stille Pause. Dann kam der zweite Schlaf — secundo somno — der bis zum Morgen dauerte.
Das ist keine moderne romantische Erfindung. Der Historiker Roger Ekirch, Autor der Untersuchungen zum vorindustriellen Schlaf, verfolgt zahlreiche Verweise auf „ersten Schlaf“ und „zweiten Schlaf“ in Gerichtsakten, medizinischen Texten, Tagebüchern, Briefen, literarischen Werken und Reiseberichten. Zunächst begegnet er diesen Ausdrücken in Rechtszeugnissen, später entdeckt er sie auch in Stücken, Gedichten, Romanen und Texten verschiedener europäischer Sprachen.
Wie eine solche Nacht aussah
Der erste Schlaf dauerte einige Stunden. Gegen Mitternacht oder in den ersten Stunden danach trat ein natürliches Erwachen ein. Diese wache Pause wurde nicht zwangsläufig als Schlaflosigkeit empfunden. Im Gegenteil — sie war Teil des normalen nächtlichen Rhythmus.
In dieser Zeit konnten die Menschen im Bett bleiben, beten, nachdenken, mit dem Menschen neben sich sprechen, sich um das Feuer, die Kinder oder die Tiere kümmern, kleine Arbeiten verrichten, Träume deuten oder einfach im Dunkeln liegen. Danach schliefen sie wieder ein. Der zweite Schlaf dauerte bis zur Morgendämmerung.
Es ist wichtig, sich dieses Muster nicht als für alle gleich vorzustellen. Ekirch selbst betont, dass Zeitpunkt und Dauer des ersten und zweiten Schlafs je nach sozialem Umfeld, Jahreszeit, Gewohnheiten, Schlafenszeit und Lebensweise variierten. Menschen, die später zu Bett gingen, konnten später erwachen — oder gar nicht zu zwei klar getrennten Teilen der Nacht gelangen.
Die Nacht vor dem elektrischen Licht
Um den ersten und zweiten Schlaf zu verstehen, müssen wir uns eine sehr andere Nacht vorstellen. Nach Sonnenuntergang war die Dunkelheit real. Das Licht kam von Feuer, Kerzen, Öllampen oder dem Mond. Es war schwach, teuer und begrenzt. Der Tag schrumpfte auf natürliche Weise, und die Nacht nahm einen größeren Raum im Leben ein.
Mit der Industrialisierung änderte sich das allmählich. Die Straßenbeleuchtung, der Fabrikrhythmus, die späteren Abendbeschäftigungen und schließlich das elektrische Licht begannen, den aktiven Tag zu verlängern. Die Nacht war keine so eindeutige Grenze mehr. Die Menschen gingen später zu Bett, und der Schlaf verschob sich allmählich zu einem kompakteren, ununterbrochenen Block.
Haben wir den natürlichen Rhythmus der Nacht vergessen?
Hier müssen wir vorsichtig sein. Der erste und der zweite Schlaf beweisen nicht, dass jeder moderne Mensch in zwei Etappen schlafen sollte. Sie bedeuten nicht, dass der achtstündige ununterbrochene Schlaf „falsch“ ist. Doch sie zeigen etwas Wichtiges: Die Art, wie wir heute schlafen, ist nicht das einzig mögliche Modell in der menschlichen Geschichte.
Moderne Quellen über den Schlaf beschreiben den biphasischen Schlaf als einen Schlaf, der in zwei Perioden geteilt ist. Eine der Varianten ist gerade das historische Modell „erster/zweiter Schlaf“ — das Zubettgehen gegen 21–22 Uhr, das Erwachen gegen Mitternacht für ein bis zwei Stunden und danach ein zweiter Schlaf bis zum Morgen.
Zugleich betonen die medizinischen Empfehlungen, dass die Gesamtdauer und die Qualität des Schlafs entscheidend bleiben. Für Erwachsene werden üblicherweise mindestens etwa sieben Stunden Schlaf pro Tag empfohlen.
Deshalb sollte das Erwachen in der Nacht nicht automatisch dramatisiert werden. Wacht ein Mensch ruhig auf, bleibt kurz wach und schläft dann wieder ein, ist das nicht immer ein Zeichen für ein Problem. Doch ist das nächtliche Wachsein beunruhigend, anhaltend, häufig, mit Tagesmüdigkeit oder einem Gefühl der Erschöpfung verbunden, dann geht es nicht um einen „alten Rhythmus“, sondern um einen Zustand, der Aufmerksamkeit verdient.
Die stille Pause zwischen den beiden Schlafphasen
Am interessantesten an dieser alten Struktur der Nacht ist nicht nur die Idee zweier Schlafphasen, sondern der Raum zwischen ihnen. Das ist eine Zeit, die heute kaum noch existiert. Eine stille Zwischenzeit, in der der Mensch wach war, aber nicht unbedingt aktiv — allein mit sich, mit seinen Gedanken, mit seinem Körper, mit der Dunkelheit.
In diesem Sinne sind der erste und der zweite Schlaf nicht nur eine sonderbare historische Tatsache. Sie erinnern uns daran, dass der Schlaf nicht immer nur in Stunden, Effizienz und Produktivität gemessen wurde. Die Nacht hatte ihren eigenen inneren Rhythmus. Sie hatte einen Anfang, eine Unterbrechung und eine Rückkehr.
Vielleicht müssen wir nicht buchstäblich zu primo somno und secundo somno zurückkehren. Doch es lohnt sich, daran zu denken, dass der menschliche Körper nicht immer der idealen geraden Linie folgt, die der moderne Zeitplan von ihm erwartet.
Manchmal bewegt sich die Nacht in Wellen. Manchmal kommt der Schlaf, zieht sich zurück und kehrt dann wieder.
Und vielleicht ist das nicht immer ein Versagen des Schlafs.
Manchmal ist es einfach ein altes Gedächtnis des Körpers.

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